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Fotografieren für Anleitungen - 7 Tipps für verständliche Bilder

Technische Redakteure müssen nicht nur schreiben können. Ohne Bilder kommt keine Anleitung aus. Dennoch: Nicht jeder Autor hat einen graphischen Blick für das Erstellen geeigneter Bilder. Doch mit ein paar hilfreichen Tipps können gute Resultate erzielt werden.

In so manch einer Anleitung werden Fotos verwendet, die dem Betrachter Probleme beim Verständnis der Inhalte bereiten. Hier ein paar Beispiele:

  • Fehlende Orientierung: Von einer Anlage werden Detailaufnahmen gezeigt, die der Betrachter nicht an der Anlage zuordnen kann.
  • Schwierige Zuordnung: Bauteile werden zu detailliert gezeigt.
  • Wichtige Bildinhalte werden erst auf den zweiten Blick wahrgenommen, da sie nicht richtig im Bild platziert wurden.

Farbig oder in Schwarz-Weiß

Welche Art von Fotos in Anleitungen verwendet wird, ist abhängig vom Produkt, das beschrieben werden soll. Lebt eine Anleitung von ihren farblichen Kennzeichnungen, wird es sinnvoll sein mit Farbfotos zu arbeiten. Wenn Farben den Blick des Betrachters vom eigentlichen Inhalt ablenken würden, sind Schwarz-Weiß-Fotos sinnvoll.

Farbfotos

Ob in gedruckter Form oder digital: Wenn Farbfotos verwendet werden, müssen die Farben stimmen. Werden Farben falsch dargestellt, können Informationen falsch gedeutet werden. Ein gelungenes Farbmanagement ist unabdingbar.

Zudem sollten Sie bei der Aufnahme eines Farbfotos beachten, dass Farben den Blick des Betrachters nicht auf eine weniger wichtigere Bildinformation lenken. Ein knallroter Warnhinweis wird auf einem Bild stärker wahrgenommen, als der weiße Schalter, um den es eigentlich geht.

Schwarz-Weiß-Fotos

Nicht selten nehmen Hersteller an, dass Schwarz-Weiß-Fotos günstiger in der Postproduktion sind. Das ist ein Trugschluss. Viele Bildbearbeitungsprogramme bieten zwar die Funktion, Fotos kurzerhand in ein Schwarz-Weiß-Foto umzuwandeln. Dennoch beginnt die Erstellung eines guten Schwarz-Weiß-Fotos bereits bei der Aufnahme.

Ein Schwarz-Weiß-Foto lebt von seinen Kontrasten, also der Verteilung der hellen und dunklen Bereiche im Bild. Ist das Foto kontrastarm, können sich wichtige Bildinformationen nicht ausreichend voneinander abheben. Ein Fotograf würde schlichtweg sagen: "Das Foto wirkt flau."

Der Betrachter verliert die Orientierung im Bild. Wesentliche Informationen erkennt er nicht. Sie sollten Fotos daher so umwandeln, indem Sie die Farbtöne einzeln in ihrer Intensität verändern. Nur so wird gewährleistet, dass bestimmte Bildelemente hervorgehoben werden.

Orientierung schaffen

Bei der Erstellung der Fotos dürfen Sie nicht vergessen, dass der Leser der Betriebsanleitung die darin enthaltenen Fotos zuvor noch nie gesehen hat. So ist es für ihn mitunter schwierig, Bauteile an einer großen Anlage mit Hilfe einer Detailaufnahme wiederzufinden.

Der erste Schritt zu verständlichen Bildinformationen klingt trivial: Die Anleitung braucht einfach mehrere Bilder. Mit der Größe des Produktes steigt die Anzahl der benötigten Fotos, um den Betrachter an die zu beschreibende Stelle zu führen.

Vom Großen ins Kleine

Eine Totale des Produktes erleichtert den Einstieg in das Thema. Das Produkt ist vollständig im Bild abgebildet. Eine weitere Aufnahme zeigt das Bauteil im Detail, das näher beschrieben werden soll. Die Fotos Totale und Detail können Sie im Text-Programm zusammenfügen. Grafische Elemente, zum Beispiel Pfeile, zeigen dem Betrachter die Stelle, an der sich das in der Lupenansicht gezeigte Bauteil an der Maschine befindet.

  • Beispiel Detailaufnahme Ausschnitt eines Bedienpults
    Durch die Kombination von Totale und Detailansicht ist dem Betrachter schnell klar, wo sich das Bauteil befindet

Die richtige Perspektive

Der Lesefluss wird zusätzlich erleichtert, wenn die Perspektive konstant eingehalten wird. Die Transferleistung, das Objekt in Gedanken zu drehen, wird somit dem Betrachter abgenommen.

Daher sollten Sie vor dem Fotoshooting dringend überlegen, welche Handlung wo am Produkt beschrieben werden müssen. Legen Sie die Perspektiven mit diesem Wissen fest.

Eine Point of View-Ansicht ist dabei vorteilhaft. Die Kamera nimmt dazu die Sicht des Betrachters ein, um das Foto zu erstellen. Verwendet der Fotograf diese Ansicht, die der Betrachter selbst in der Realität sieht, ist der Wiedererkennungswert des Produktes auf den Fotos bedeutend größer.

Der richtige Zoom-Faktor

Der Begriff "Zoom-Faktor" ist in den Zeiten von Kompaktkameras und Handycams ein geläufiger Begriff. In der Fotografie wird jedoch von der Brennweite gesprochen. Die Brennweite bestimmt den Betrachtungswinkel.

Je kleiner eine Brennweite desto größer ist der Winkel, den das Objektiv vom Motiv erfasst. Das Motiv rückt in die Ferne. Mit dem Foto wird mehr Inhalt gezeigt. Gerade Linien werden mit kleiner werdender Brennweite im Randbereich des Fotos verzerrt.

Je größer eine Brennweite desto kleiner ist der Winkel, den das Objektiv vom Motiv erfasst. Das Motiv rückt optisch näher zum Betrachter. Auf dem Foto werden Details deutlicher.

Damit sich der Betrachter leichter zurechtfindet, sollte die Brennweite so eingestellt werden, dass sie der Seheigenschaft eines Menschen gleicht, d. h. ca. 50 mm. Andere Brennweiten neigen dazu, das Motiv im Foto von der Realität zu entfremden.

Wichtige Inhalte im Bild richtig platzieren

Wie ein Text hat auch ein Foto eine Leserichtung. Die Leserichtung ist jedoch abhängig von dem Kulturkreis, in dem die Betriebsanleitung veröffentlicht wird.

In den westlichen Ländern beginnt der Betrachter in der oberen linken Bildecke mit dem Lesen des Bildes und führt seinen Blick weiter zur rechten unteren Bildecke. Von dort wandert der Blick zur linken unteren Bildecke. Zum Abschluss verläuft der Blick diagonal zur rechten oberen Ecke.

  • Infografik Lesefluss
    Lesefluss eines Bildes in westlichen Kulturkreisen

Durch diesen Ablauf im Lesefluss eines Bildes lassen sich Bildbereiche ableiten, die mit unterschiedlicher Intensität wahrgenommen werden. Das Bild wird zur Verdeutlichung in vier gleich große Bereiche aufgeteilt:

  • Bereich links oben: Dieser Bereich wird zu ca. 40 % wahrgenommen.
  • Bereich rechts unten: Dieser Bereich wird zu ca. 15 % wahrgenommen.
  • Bereich links unten: Dieser Bereich wird zu ca. 25 % wahrgenommen.
  • Bereich rechts oben: Dieser Bereich wird zu ca. 20 % wahrgenommen.

Werden Fotos nach diesen Prinzipien aufgenommen, können Sie bedeutenden Bildinhalten eine entsprechende Gewichtung verleihen.

  • Infografik Wahrnehmung von Bildbereichen (prozentual)
    Die Bereiche im Bild nimmt der Betrachter unterschiedlich wahr

Blick auf Bildinhalte lenken

Nicht nur der Lesefluss des Bildes ist für die Wahrnehmung von Bildinhalten wichtig. Der Blick des Betrachters wird auch durch die nachfolgenden Punkte stark beeinflusst:

  • Helle Bereiche im Bild ziehen den Blick des Betrachters auf sich. Eine Lampe, die sich im Bild befindet und einen hellen Lichtpunkt im Bild zeigt, wird der Betrachter zuerst wahrnehmen. Erst auf den zweiten Blick wird er dem Hauptmotiv Beachtung schenken. Aus diesem Verhalten kann abgeleitet werden: Leuchten Sie das Hauptmotiv heller aus als andere Bildelemente. Stellen Sie es kurzerhand ins Rampenlicht.
  • Beispiel Bildbearbeitung Lichteffekte
    Die LED lenkt den Blick auf sich - in diesem Fall ein unerwünschter Effekt
  • Ähnlich verhält es sich mit Kontrast-Unterschieden. Bereiche im Bild mit einem hohen Kontrast bemerkt der Betrachter zuerst. Kontrastärmere Bereiche werden erst später wahrgenommen. Um diesen Effekt vorteilhaft zu nutzen, können Sie in der Postproduktion den Kontrast um das Hauptmotiv herum verringern.
  • Beispiel Bildbearbeitung Kontrast
    Das Hauptmotiv steht klar im Vordergrund, irrelevante Bereiche sind ausgebleicht
  • Bilden Sie nur das Hauptmotiv scharf ab, können Sie ebenfalls den Blick lenken. Dafür sind jedoch lichtstarke Objektive erforderlich. Ohne diese, doch recht kostspielige Ausrüstung, können Sie alternativ einen Schärfeverlauf mit einem Bildbearbeitungsprogramm in das Bild einfügen.
  • Beispiel Bildbearbeitung Schärfe - Unschärfe
    Der Hintergrund wurde maskiert und durch einen Filter weichgezeichnet
  • Linienführungen im Bild bieten optische Leitplanken für das Auge. Wie eine Leitplanke das Fahrzeug auf der Straße hält, wird das Auge durch die Linienführung im Bild gelenkt.

    Zur Linienführung können Sie zum Beispiel Bauteile so im Bildaufbau arrangieren, dass sie die Leserrichtung unterstützen.

  • Eine weitere Variante ist das Freistellen des Hauptmotives. Das Hauptmotiv wird im Bildbearbeitungsprogramm vom Hintergrund gelöst, der durch einen einfarbigen Hintergrund ersetzt wird. Dadurch wird der Blick nicht von unwichtigen Bildelementen abgelenkt.
  • Fotograf mit Fotoset

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