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Mit 3D-Animationen Produkte verständlich erklären

Immer komplexer werdende Systeme machen es dem Anwender gar nicht leicht, verstanden zu werden. Je komplexer die Produkte werden, desto verständlicher müssen die Anleitungen dazu ausfallen. Nun gilt es abzuwägen, welches Medium sich für welche Situation am besten eignet. Die klassische Print-Dokumentation bleibt gesetzt. Doch die papierene Anleitung ist einfach zu starr, um Bewegungsabläufe präzise genug abzubilden.

Vorteile nutzen

Animationen hingegen beleben Bilder - und damit auch das Produkt, das sie zeigen (lat. animare = zum Leben erwecken). Denn hier entsteht aus Einzelbildern ein bewegtes Bild.

Im Unterschied zu statischen Bildern kann mit einer Animation das Zusammenspiel verschiedener Objekte dargestellt werden. Zugleich können Animationen technische Prozesse zeigen, die mit einer Videokamera kaum oder gar nicht visualisiert werden können. Das können Bewegungsabläufe im Inneren einer Maschine sein oder Flüssigkeiten, die durch ein Rohrsystem laufen. Komplexe Systeme können auf wesentliche Merkmale reduziert dargestellt werden. Im Gegensatz zu Videos (Realfilmen) kann bei einer Animation bewusst auf Details verzichtet werden, um das Wesentliche hervorzuheben. Denken Sie an die unzähligen Kabel einer Anlage, die zwar zur Anlage gehören, aber für die Bedienschritte unerheblich sind. Sie finden in einer Animation keine Beachtung.

Hinzu kommt, dass Animationen Inhalte unterhaltsam verpacken.

Vielseitig verwendbar

Man muss nicht lange darüber nachdenken, welche Vielzahl von Möglichkeiten Animationen bieten.

Hier nur mal ein paar Beispiele:

  • Service
    Montage- und Wartungsarbeiten vereinfacht dargestellt. Schnelle Hilfe weltweit. Eine Animation kann über das Internet an alle Landesvertretungen sprachneutral zur Verfügung gestellt werden. Animationen können so auch gut mit textfreien Utility-Filmen kombiniert werden.
  • Strichzeichnungen
    Hände in Bildern, die eine bestimmte Tätigkeit andeuten, stellen einen hohen Zeichenaufwand für einen Grafiker da. Für jede Zeichnung muss die Hand neu gezeichnet werden. In einem 3D-Modell kann eine Hand dagegen ohne erhöhten Aufwand positioniert werden. Das Animationsprogramm unterstützt den Redakteur, indem die Strichzeichnung mit der eingesetzten Hand gerendert und als gewünschtes Bildformat bereitgestellt wird.
  • Schulungen
    Schulungsteilnehmer können jederzeit einen Blick auf das zu schulende Produkt werfen und Schulungsinhalte besser verstehen.
    Simulationen helfen, komplexe Schulungsinhalte zu vermitteln. Der Teilnehmer kann eine Maschine spielerisch erkunden und ohne Gefahr einen Blick in die reale Maschine werfen.
  • Marketing
    Ein Produkt frühzeitig beim Kunden präsentieren, obwohl das Produkt nur auf dem Reißbrett besteht. Funktionen und Bewegungsabläufe können animiert dem Kunden präsentiert werden und Bedarf beim Kunden wecken.

Animationen erstellen

Natürlich ist eine Animation aufwendig. Im Nachhinein lassen sich die Kosten meisten dennoch wieder einholen. Haben Sie einen Videofilm produziert, bedeutet eine Änderung oft aufwendige Drehtage. Bei einer Animation reicht es aus, bei Änderungswünschen einzelne Werte anzupassen.

Doch jetzt mal an den Anfang. Was steckt hinter einer Animation und wie entsteht eine Animation? Zuallererst brauchen Sie Objekte, die im Animationsprogramm animiert werden können. Das ist in unserem Fall zumeist ein Produkt, von dem wir ein digitales Modell benötigen. Hier gibt es zwei Wege:

  • Begünstigt wird die Erstellung von 3D-Animationen, wenn ohnehin schon 3D-CAD-Daten von Ihrem Produkt vorliegen.
    Diese Daten müssen Sie zunächst konvertieren, um sie im Animationsprogramm verwerten zu können. Flächen des Objektes versehen Sie anschließend mit Texturen, um die Farbe, Rauigkeit oder den Glanz der Materialen herauszustellen.
  • Wenn Sie bei null anfangen, erstellen Sie ein virtuelles Modell eines dreidimensionalen Objektes freihändig anhand von Vorlagen wie Fotos oder dem realen Objekt selbst.
    Um das Produkt abzubilden, wird ein Gitternetz aus geometrischen Formen zusammengesetzt. Auch dieses Vektormodell benötigt für eine realistische Darstellung Materialen, die den einzelnen Modell-Elementen zugewiesen werden.

Wenn Sie ein digitales Modell erstellt haben, kann es losgehen. Um einzelne Bauteile des Modells zu bewegen, wird mit sogenannten Keyframes gearbeitet. Diese Art der Animation ist die Schlüsselbildanimation. Setzen Sie den ersten Keyframe am Ausgangspunkt einer Bewegung. Schieben Sie dann das Bauteil in die Endstellung der auszuführenden Bewegung. Auch hier wird ein Keyframe positioniert. Sie legen damit Werte über Zeit, Ort und Form des zu animierenden Objektes fest. Diese Informationen sind auf verschiedenen Positionen innerhalb einer Zeitachse festgelegt (bei 3D: x, y, z). Das Animationsprogramm berechnet (interpoliert) nun automatisch die Bewegungen des Bauteils zwischen den gesetzten Keyframes. Legen Sie in dieser Art alle weiteren Bewegungen fest.

Damit die Animation flüssig läuft, müssen die entstandenen Bilder mit mindestens 24 Bildern pro Sekunde zu einem Video zusammengefügt werden. Das übernimmt das Animationsprogramm.

Detailgrad festlegen

Für unterschiedliche Anwendungen der Animation werden unterschiedliche Modelle im Detaillierungsgrad benötigt.

  • Fotorealistische Darstellung
    Das Produkt wird so im Animationsprogramm erstellt, dass es seinem realistischen Vorbild sehr nahekommt. Das geht soweit, dass nur ein geschultes Auge das reale Objekt vom konstruierten Modell unterscheiden kann.
  • Didaktische Reduktion
    Nicht immer ist eine komplexe Darstellung eines Produktes erwünscht. Soll die Aufmerksamkeit des Betrachters auf einen bestimmten zu vermittelnden Inhalt gelenkt werden, ist es sinnvoll, Details des Produktes nicht zu zeigen. Der Betrachter benötigt nur den Wiedererkennungswert, um eine Funktion des Produktes zu verstehen. Zu viele Produktdetails würden den Betrachter vom Wesentlichen ablenken. Bei einer solchen Reduktion kann eine Animation auch mal einem Comic gleichen. Es werden nur die Umrisse des Produktes sichtbar dargestellt. Diese Art der Darstellung ist in der Wissensvermittlung sinnvoll einsetzbar.

Die Autorin

  • Autor bei commatec

Olivia Becker studierte Sprach- und Textwissenschaften an der Universität Passau. Anschließend arbeitete sie als freie Mitarbeiterin und Video-Journalistin für mehrere regionale Zeitungen. Seit dem Master-Studium 'Technische Redaktion und Multimediale Dokumentation' arbeitet sie als Technischen Redakteurin bei commatec in Gießen. Hier ist sie für Anleitungen für Medizinprodukte und Software sowie für Illustrationen und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Der Autor

  • Autor bei commatec

Sven Glöckner startete im Jahr 2000 als Quereinsteiger in der Technischen Redaktion. Als Erfahrungsschatz dient ihm sein Studium zum Staatlich geprüften Techniker Fachrichtung Maschinentechnik und praktische Erfahrungen. 2010 bildete er sich zum Redakteur für Utility-Filme weiter. Bei commatec erstellt er umfangreiche Anlagendokumentationen und Servicehandbücher für u. a. Verpackungsmaschinen und Koordinatenmessgeräte. Sein Schwerpunkt liegt zudem auf der Produktfotografie.

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