Info-Portal > Artikel

Übersetzungsgerechtes Arbeiten - darauf kommt es an

Komplexe Projekte müssen gut geplant werden, um den Pflegeaufwand klein zu halten. Das lohnt sich insbesondere für Anleitungen, die in mehrere Sprachen übersetzt werden.

Das Ganze beginnt mit diesen Fragen:

  1. Welche Anteile werden nicht übersetzt, z. B. Grafiken, Symbole, Fachbegriffe etc.?
  2. Wie werden diese Anteile verwaltet und zur Verfügung gestellt, z.B. als Dateien, Variablen etc.?
  3. Wie kann die Qualität gesichert werden?

Am Anfang war die Struktur - und sie muss gut durchdacht sein

Aber das Dokumentieren beginnt schon viel früher - nämlich bei der Struktur von Verzeichnissen und bei der Festlegung der Terminologie.

Die Planung geht von einem Master-Dokument aus, zu dem Übersetzungen folgen sollen. Dabei ist es sinnvoll, wenn Sie die grafischen Anteile ohne Text in einem Verzeichnis verwalten, auf das alle Sprachen zugreifen, in unserem Beispiel das Verzeichnis Bilder_neutral.

  • Beispielhafte Ordnerstruktur für ein Projekt

Auf derselben Ebene liegen die Version mit dem Master und die zugehörigen Sprachen. Pro Sprache brauchen Sie ein Verzeichnis für die grafischen Anteile mit Text. Bei dieser Anordnung können alle Dateinamen beibehalten werden, was die Ausgabe von Übersetzungen erheblich vereinfacht.

Damit haben Sie schon mal einen großen Schritt erledigt. Aber...

Keine Struktur ohne Inhalt - was machen wir mit den Texten?

Wenn es dann an die Inhalte selber geht, muss über die Texte und die grafischen Anteile nachgedacht werden. Alle Produkt- und Modulbezeichnungen legen Sie selbstverständlich als Variablen an. Aber vorsichtig mit Fachbegriffen: auch wenn in vielen Ländern englische Bezeichnungen verwendet werden, so sind diese doch nicht immer und Allen verständlich. Überlassen Sie diese Begriffe besser dem Übersetzer, der besser als Sie über die spezifische Terminologie Bescheid weiß.

Grafiken mit Text sind nicht zu vermeiden

Kommen wir jetzt zu den grafischen Anteilen mit Text. Bei Screenshots von der Bedienoberfläche haben Sie keine Wahl: die müssen pro Sprache angefertigt werden, wenn die Software übersetzt ist. Was aber ist mit Abbildungen von Workflows und Charts? Wir kennen alle die Schwierigkeiten mit den Lauflängen - und dennoch: wenn die Textfelder zu klein sind, beginnt das Rumprobieren im Schreibprogramm bis es passt.

Viel einfacher ist es, solche Abbildungen mit den einschlägigen Programmen, etwa Adobe InDesign, zu erstellen und als Grafik oder PDF in die Anleitung einzufügen. Das Layout kann im Erstellungsprogramm korrigiert werden, was in aller Regel sehr viel einfacher ist.

Machen Sie's den Lesern und Übersetzern leicht

Sie lieben die Sprache und haben Ihre helle Freude an den wunderschönen Sätzen, die Ihnen beim Nachdenken über die dazustellenden Inhalte in die Feder fließen, und die sich so formschön in Ihr Layout einpassen, wenn auch Sie gelegentlich das eine oder andere Wort löschen, damit der Seitenumbruch besser hinkommt.

Haben Sie's gemerkt? Dieser Satz hat 49 Wörter. Dieser Satz hat mindestens vier verschiedene Informationen über Ihre Schreibarbeit - welche ist wohl die wichtigste? Genau: Der Satz ist zu lang und hat keinen Schwerpunkt.

Legen Sie Regeln für den Schreibstil der Technischen Dokumentation fest. Vergessen Sie dabei (fast) alles, was Ihnen Ihr Deutschlehrer damals mühevoll beizubringen versucht hat. Schreiben Sie so, dass Ihre Leser die Aussage mit einem Blick erkennen. Und Ihr Übersetzer wird Ihnen sehr dankbar sein.

Komplizierte Sätze mit vielen Fremdwörtern zeigen nicht nur, wie gebildet Sie sind, sondern auch, dass es Ihnen nicht gelungen ist, den Sachverhalt in einfachen Worten verständlich zu machen.

Schreibregeln gelten immer nur für Ihre Redaktion, andere Firmen haben durchaus andere Regeln. Darum können wir Ihnen nicht sagen, wie Sie schreiben sollen. Aber wir können Ihnen ein paar Tipps geben, worauf Sie achten müssen:

Text, z. B.

  • Art und Weise der Überschriften: Überschriften mit oder ohne Artikel? Verben? Also: "Das Schreiben von Texten", "Schreiben von Texten", "Texte schreiben".
  • Querverweise im Text eingebettet oder immer im eigenen Absatz? Was ist mit Verweisen in der Form von "weiter oben...", "weiter unten..."?
  • Index-Einträge, Glossar: was muss indiziert, was erklärt werden? Zielgruppe beachten.

Sätze, z. B.

  • Vermeiden von mehrdeutigen, unvollständigen, komplexen Konstruktionen. - Keine Aufzählungen, bei denen der Satz durch die Aufzählungspunkte hindurch weitergeführt wird. - Legen Sie eindeutige syntaktische Funktionen fest, z.B. für eine Handlungsaufforderung, für einen erklärenden Text...

Wörter, z. B.

  • Komposita mit und ohne Bindestriche
  • Genitiv-, Dativ-Bildungen
  • Abkürzungen. Was bedeutet "bzw."? Verwenden Sie "usw." oder etc."? Was ist mit Abkürzungen, die nicht im Duden stehen?
  • Verbotene Wörter und erlaubte Alternativen

Legen Sie für die Regeln Positiv- und Negativ-Beispiel an, damit ganz deutlich wird, was Sie wollen und was Sie auf gar keinen Fall wollen.

Wichtig ist, bei allen Regeln, dass sie eingehalten werden - von Ihnen, Ihren Kollegen und von den Übersetzern soweit das möglich ist.

Und noch was zum Abschluss

Ja - die Planung und ggf. die Umstellung von Strukturen und Regeln nimmt einige Zeit in Anspruch. Aber glauben Sie uns und allen den anderen Technischen Redaktionen, dass diese Investition sich in der Zukunft auszahlt: sie wirkt sich nicht nur auf den Schreibprozess aus, sondern auch auf die Übersetzungsqualität und das Layouten in anderen Sprachen.

Aktuelle Artikel

Referenzen

  • Beispiel Bedienungsanleitung

Für diese Kurzanleitung wurden wir mit dem Dokupreis der tekom ausgezeichnet.
Mit dieser Auszeichnung honoriert die Gesellschaft für Technische Kommunikation die Arbeit Technischer Redakteure. Unsere Dokumentation überzeugte maßgeblich in den Punkten Gliederung und Praxistauglichkeit.

Info-Portal