DOCK ON 2026 – Digitaler Produktpass, KI und E-Learning – ein Nachmittag voller Praxis
Die DOCK ON 2026 hat einmal mehr gezeigt, was diese Veranstaltungsreihe ausmacht: Vier Referenten, drei Themen, keine Folien-Schlachten – sondern echte Einblicke aus der Praxis der Technischen Dokumentation. Rund um die Themen Digitaler Produktpass, KI-Integration und E-Learning entstand ein Nachmittag, der viele Fragen aufwarf und einige davon auch gleich beantwortete.
Begrüßung: Warum diese Themen jetzt zählen
Martin Schlicksupp eröffnete den Nachmittag mit einem klaren Befund: Digitaler Produktpass (DPP) und Künstliche Intelligenz sind die bestimmenden Themen in der Technischen Dokumentation – befeuert durch die EU-Ökodesignverordnung. Deren Ziel ist es, den Anteil von Produkten, die direkt auf dem Müll landen, deutlich zu senken. Reparatur, Aufbereitung, 2nd Life, Recycling – all das setzt voraus, dass relevante Produktinformationen strukturiert und leicht zugänglich vorliegen. Genau dafür ist der DPP gedacht.
Was viele noch nicht wissen: Viele Unternehmen stellen heute schon freiwillig eine Art DPP bereit. Und Verbände wie VDMA und ZVEI sind sich einig – wer auf die finale Rechtssetzung wartet, verliert wertvolle Zeit. Der Rahmen ist klar genug, um jetzt zu starten.
Maximilian Tauchnitz: Von rechts nach links denken
Maximilian Tauchnitz zeigte anhand eines konkreten Mockups, wie ein DPP in der Praxis aussehen kann – inklusive Verlinkungen auf die Produktpässe von Zuliefererkomponenten. Sein zentraler Rat: Vom fertigen Produkt ausgehend die tatsächlich benötigten Daten für den DPP zusammenstellen und nicht wahllos Daten sammeln.
Dabei kamen Fragen auf, die die Runde beschäftigten:
- Sprache: Informationen müssen in der Landessprache des Nutzers bereitgestellt werden. Englisch allein reicht nicht. Aber wer sind die Nutzer am Ende des Lebenszyklus beim Recycling?
- Langfristige Verfügbarkeit: Pflichtelemente müssen über die gesamte Produktlebensdauer zugänglich bleiben – ergänzende Inhalte wie Videos sind davon ausgenommen.
- Zulieferer-DPP: Ändert sich ein Zuliefererteil, stellt sich die Frage, wie das im DPP abgebildet wird – besonders bei individualisierten Produkten.
- Zugriffsrechte: Nicht alle Informationen sind für alle gedacht. Wettbewerber sollen keinen Einblick in sensible Daten erhalten – entsprechende Zugriffsberechtigungskonzepte sind Teil der Lösung.
Tina Schmattloch: KI braucht mehr Biber
Tina Schmattloch brachte Erfahrungen aus dem mittelständischen Maschinenbau mit – und einen ungewöhnlichen Vergleich: Die KI in der Technische Dokumentation ist wie ein Biber. Sie schafft neue Lebensräume, baut neue Strukturen und verbindet Fachbereiche.
Die Zahlen sind ernüchternd: Nur 36 % der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlen sich ausreichend auf den Einsatz von KI vorbereitet. Warum gelingt manchen Unternehmen die Transformation – und anderen nicht? Schmattloch nennt drei Faktoren:
- Klare KI-Strategie – und zwar eine, die auch kommuniziert wird.
- Alle Stakeholder einbinden – von der Redaktion bis zur Geschäftsführung.
- Iterativ vorgehen – KI-Tools verändern sich ständig, die Nutzung muss es auch.
Was KI heute realistisch leisten kann: Recherche, Zusammenfassung, Strukturierung. Bei der Qualitätsprüfung lassen sich 80–90 % der Zeit einsparen. Bei Übersetzungen ist der Zeitgewinn enorm – für sicherheitskritische Inhalte reicht die Qualität aber noch nicht aus. Erste Medienentwürfe? Möglich. Technische Abbildungen? Noch schwierig. Was sie nicht kann: Verantwortung übernehmen, rechtlich bewerten, kritisch hinterfragen.
Das Fazit: Alles, was aus KI-Prozessen entsteht, muss geprüft werden. Der Mensch bleibt das zentrale Bindeglied – nicht die Technologie.
Matthias Hattemer: E-Learning – die Zukunft in unserer Zunft
Matthias Hattemer schloss den Nachmittag mit einem Thema ab, das in Technischen Redaktionen zunehmend an Bedeutung gewinnt: E-Learning. Seine These ist klar – E-Learnings sind nicht die Alternative zur Schulung, sondern eine eigenständige Disziplin mit eigenen Stärken.
Was eine Schulung in einem halben Tag vermittelt, schafft ein E-Learning in einer Stunde. Der Haken: Eine Minute fertiges E-Learning kostet rund zwei Stunden Produktionszeit. Wer das einkalkuliert, kann aber erheblich profitieren – denn Lernende bestimmen ihr eigenes Tempo, brauchen kein Zeitmanagement und können Inhalte wiederholen.
Hattemer zeigte den Weg vom groben Konzept (1–2 Seiten) über die Storyline bis zum fertigen Modul. Viel Text lesen ist dabei nicht effektiv – deshalb wird Inhalt heute vertont, zunehmend mit KI-generierten Avataren statt mit Sprechern im Tonstudio. Fragen können vielfältig gestaltet werden: Multiple Choice, Drag & Drop, Lückentexte, Reihenfolge ordnen, Zuordnen oder direkte Interaktion in der Nutzeroberfläche.
Wichtig ist: Was passiert, wenn eine Frage falsch beantwortet wird? Und wie wird das Wissen messbar gemacht? Die Einbindung in Lernmanagementsysteme (LMS) macht genau das möglich.
Sein Appell: Nicht nur Technik ist gefragt – sondern Gespür für gute Fragen, Didaktik und Infotainment.
Fazit: Drei Themen, ein roter Faden
Was die DOCK ON 2026 verbindet: Alle drei Themen – DPP, KI und E-Learning – stehen für eine Technische Dokumentation, die sich neu erfindet. Nicht aus Selbstzweck, sondern weil Produkte, Nutzer und Regulierung es verlangen. Wer jetzt anfängt, Strukturen zu schaffen, hat einen echten Vorsprung.
Wir bedanken uns bei Maximilian Tauchnitz, Tina Schmattloch und Matthias Hattemer für ihre praxisnahen Einblicke – und bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die lebhaften Diskussionen.
Bis zur nächsten DOCK ON.
Haben Sie Fragen zu den Themen?
Sprechen Sie uns gerne an: martin.schlicksupp@commatec.de







