Technik verstehen mit E-Learnings

Wissen bedeutet nicht automatisch verstehen. Was bedeutet das für die technische Dokumentation? Benutzer sollen Informationen zu einem neuen Gerät oder komplexen Produkt nicht einfach nur zur Kenntnis nehmen, sondern das Produkt verstehen. Tätigkeiten sollen nicht unreflektiert ausgeführt, sondern verstanden werden. Um Produkte zu verstehen, werden häufig Schulungen angeboten, die über die Möglichkeiten der Bedienungsanleitung hinaus gehen. Benutzer können den Umgang mit dem Gerät praxisnah trainieren. Eine effiziente Vorbereitung auf eine gelungene Produktschulung sind interaktive E-Learnings. Mit diesen werden die Inhalte der Bedienungsanleitung für die Zielgruppe aufbereitet und das Verstehen fördert.

Unterschiedliche Anforderungen

Der Hauptunterschied zwischen einer Bedienungsanleitung und einem E-Learning zeigt sich darin, wie das Wissen vermittelt wird. Bedienungsanleitungen sind in erster Linie Informationssammlungen. Sie folgen gesetzlichen und normativen Vorgaben, sind in der Regel linear aufgebaut und zielen darauf ab, möglichst vollständig alle relevanten Daten, Funktionen und Sicherheitshinweise darzustellen. Bedienungsanleitungen sind präzise und setzen voraus, dass der Leser die Informationen eigenständig filtern und in Handlungen umsetzen kann.

Ein E-Learning dagegen ist instruktionsorientiert. Das heißt: Es folgt einem Instruktionsdesign, das den Lernprozess bewusst steuert. Die Inhalte sind in Lernziele gegliedert, bauen aufeinander auf, setzen Interaktionen ein und vermitteln Wissen auf eine Weise, die das Verstehen und die praktische Anwendung erleichtert. Mit einem E-Learning kann zudem die Aufmerksamkeit der Nutzenden gezielt auf wichtige Aspekte gelenkt werden:

  • Sicherheitsrelevante Schritte
  • Hinweise, die bestätigt werden müssen, um zum nächsten Schritt zu gelangen
  • Handlungsanweisungen werden in Animationen oder Videos dargestellt
  • Funktionen können „ausprobiert“ werden
  • Zeigen, was passiert, wenn etwas falsch gemacht wird, und wie man es korrigiert.

Der Aufbau eines E-Learnings kann passend auf die Zielgruppe abgestimmt werden. Ein typischer Aufbau für eine Produktschulung könnte so aussehen:

  1. Überblick – Bestimmungsgemäßer Gebrauch, Lieferumfang, Zubehör.
  2. Bedienelemente kennenlernen – Namen, Funktionen, Positionen.
  3. Grundfunktionen üben – Schritt-für-Schritt, mit Erklärungen.
  4. Erweiterte Funktionen – Erst nach den Grundfunktionen, um Überforderung zu vermeiden.
  5. Wartung & Fehlerbehebung – Praktische Tipps und Checklisten.

Didaktische Aufbereitung mit Instruktionsdesign

In einer Bedienungsanleitung ist eine didaktische Steuerung unüblich, da ihr Hauptzweck die vollständige, nicht aber die didaktisch optimierte Informationsvermittlung ist. Ein E-Learning kann hingegen durch Instruktionsdesign die Inhalte lernpsychologisch optimal strukturieren:

  • Vom Einfachen zum Komplexen.
  • Vorwissen aktivieren, um Anknüpfungspunkte zu schaffen.
  • Wiederholungsschleifen einbauen, um das Gelernte zu festigen.
  • Zusammenfassungen am Ende einer Einheit.
  • Interaktive Fragen und Feedback nutzen, um den Lernenden aktiv einzubinden.
  • Häufige Fragen (FAQ) in den Lerninhalt einbauen.
  • Auf Nutzungsszenarien eingehen.
  • Verschiedene Sinne ansprechen z.B. Bild und Ton.

Bestehende Inhalte weiterverwenden

Die Inhalte für das E-Learning müssen nicht komplett neu erstellt werden. Beispielsweise werden die Sicherheitshinweise oder Handlungsanweisungen bereits für die Bedienungsanleitung erstellt und können im E-Learning weiterverwendet werden. Die Inhalte müssen nur noch in geeignete didaktische Formate überführt werden.

  • Tabellen aus der Anleitung werden zu interaktiven Vergleichsgrafiken.
  • Das Produkt wird mit einem interaktivem 3D Modell dargestellt.
  • Schritt-für-Schritt-Anleitung mit animierten Beispielen.
  • Sicherheitshinweise werden mit Bildern oder kurzen Videos veranschaulicht.
  • Fehlersimulation: „Was passiert, wenn Sie Schritt 3 überspringen?“.

Falls die technische Dokumentation und das E-Learning von verschiedene Personen oder Abteilungen erstellt wird, lohnt sich eine enge Zusammenarbeit bei der Erstellung der Inhalte, um doppelte Arbeit zu vermeiden. Das senkt den Aufwand und sorgt für Konsistenz zwischen technischer Dokumentation und Schulungsinhalten.

Beides wird benötigt

Anstatt E-Learning und Anleitung als konkurrierende Formate zu sehen, sollten sie als zwei sich ergänzende Werkzeuge verstanden werden, die beide benötigt werden.

Eine Bedienungsanleitung ist:

  • Eine vollständige, normgerechte Informationssammlung.
  • Primär Text- und Bildbasiert.
  • Linear aufgebaut.
  • Ein Nachschlagewerk.

Ein E-Learning ist:

  • Ein praxisnahes, interaktives Lernformat.
  • Multimedial (Video, Audio, Animation).
  • Mit didaktisch optimierte Lernpfaden aufgebaut.
  • Eine Lernumgebung mit Anwendungstraining.

Durch die Kombination beider Formate entsteht ein effektives Schulungssystem, das die Sicherheit, Effizienz und Zufriedenheit der Anwender steigert – und damit nicht nur den Lernenden, sondern auch dem Unternehmen zugutekommt.

Wie geht es nun weiter?

Hat der Artikel Ideen angestoßen, wie ein zielgruppengerechtes E-Learning für Ihr Produkt aussehen könnte? Haben Sie bereits Inhalte für die Bedienungsanleitung erstellt und benötigen nun Unterstützung diese Inhalte didaktisch für ein E-Learning aufzubereiten? Dann erzählen Sie uns einfach von Ihrer Idee und wir arbeiten gemeinsam an der Umsetzung für Ihr erstes E-Learning.